12.08.2014

Stadtoase

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Das Osthang Project als Open Space

 

Aus einem Fenster dringt leise Musik. Ein aufsteigendes Klaviermotiv, begleitet von Gitarre und Bass, schwillt langsam an, schraubt sich höher und höher, wird immer lauter, erreicht mit Donnergrollen im Schlagzeug den Höhepunkt – und bricht ab. Noch mal von vorne. Es ist eine Probe des Ensemble Nikel, das an diesem sonnigen Nachmittag die Straße vor dem Gebäude des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt beschallt. Eines von vielen Ensembles der Darmstädter Ferienkurse, die im Rahmen des „Osthang Project" in den nächsten Tagen auf dem Gelände auftreten werden.


Musik hat es auf dem Darmstädter Osthang lange nicht gegeben. Die Grünfläche nahe der ehemaligen Künstlerkolonie Mathildenhöhe wuchs nach Ende des Kriegs jahrzehntelang wie ein verwunschener Garten vor sich hin, Neubebauungsprojekte scheiterten. Jetzt will das „Osthang Project" aus dem Gelände wieder eine belebte Fläche machen, eine Plattform für Bürgerprojekte, Vereine und Initiativen schaffen. Der Darmstädter Architektursommer hat dafür in den letzten Monaten unter anderem im Rahmen einer Summer School mit internationalen Architektenteams und Studierenden das Gelände bebaut.

 

Wer den Osthang betritt, findet sich in einer anderen Welt wieder. Umgeben von Pflanzendickicht schmiegen sich Gebäude aus hellem Holz an die Bäume, Kinder toben auf einer selbstgebauten Wasserrutsche, auf der Bühne der Main Hall diskutieren Bürger über die Zukunft des Osthangs. Besonders auffällig: ein Pavillon, dessen rechte Wand aus Windschutzscheiben besteht und aus dessen Rückwand die begehbare Hälfte eines Kleinbusses ragt.

 

Verschiedene Architekten- und Designer-Kollektive haben die temporären Bauten auf dem Gelände errichtet, offene Gebäude, die das Praktische eines Zweckbaus und das Ausdrucksstarke einer Skulptur in sich vereinen. Das Unperfekte, Offene strahlt eine Atmosphäre von künstlerische Freiheit und Ungezwungenheit aus, die nicht nur auf die Zuschauer einladend wirkt.

 

„Für die Architekten, die die Räume erschaffen, ist es auch total wichtig, dass diese Räume genutzt werden, dass es Leute gibt, die diese Räume erforschen", sagt Sylvia Freydank, eine der Projektleiterinnen. So sei es Aufgabe und Chance der Musiker, die Möglichkeiten und Grenzen dieser Räume für sich zu entdecken. Highlight ist unter anderem die Abschluss-Präsentation des „Konnex Workshop" am Freitagabend, ein Gemeinschaftsprojekt von jungen Komponisten, Medienkünstlern und Musikern unter der Leitung von Jorge Sánchez-Chiong. Kerstin Schultz, gemeinsam mit Thomas Schäfer künstlerische Leiterin des Projekts, bringt den Kern der Zusammenarbeit auf den Punkt: „Experimentieren, Grenzen überschreiten, Neues ausprobieren, das machen sowohl Architekten als auch Musiker."

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