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The Ethics of Critique
Zweitägige Konferenz, geplant von Michael Rebhahn

Mo 23. Juli 2018, 10:00 – 17:00
Lichtenbergschule (Mensa)

Eintritt frei
In englischer und teilweise deutscher Sprache

Auf Karte finden

Ihrer Wortbedeutung nach ist die Kritik ein Unterscheiden: das Gelungene vom Gescheiterten, das Wahre vom Falschen. Daraus erwächst eine enorme Aufgabe, die mit Verantwortung, Sorgfalt und Unbefangenheit erfüllt sein will. Die Inflationierung der kritischen Praxis sowie ihre Zerfaserung in Richtung einer narzisstisch überhöhten Hyperkritik unterminieren diese Kategorien allerdings zusehends. Zumal vor dem Hintergrund einer informellen Mitmachkultur in den Social Media haben sich Voraussetzungen und Ausprägungen der kritischen Praxis entscheidend gewandelt: Autoritäten wurden verschoben, die Professionalität erodiert – Kritiker scheint jeder zu sein, der seiner Meinung Öffentlichkeit einräumt. Im Setting eines zügellosen „Loslaberns“ leiden Argumentation und Stil; an die Stelle der Begründung tritt die Behauptung, statt di erenzierter Kenntnis tri t man auf sich infor- miert gebärdende Ignoranz.

The Ethics of Critique ist ein zweitägiges Nachdenken über Formen, Mittel und Gesten der Kritik, über ihre Bedingungen, Möglichkeiten, Ziele und Grenzen. Der Komponist Johannes Kreidler wehrt sich gegen den Applaus als Machtmittel, der Musikjournalist Robert Barry erörtert den Wandel der Grundbedingungen von Kritik im Zeitalter algorithmischer Meinungsbildung, und die Lyrikerin Nora-Eugenie Gomringer fragt nach den Demarkationen zwischen Kunstfreiheit, öffentlichem Zugriff und Zensur. Zudem werden in zwei Panels Wirkung und Praxis von Kritik diskutiert. How to deal with it?: Was löst Kritik aus – intellektuell und emotional? Welchen Einfluss nimmt sie aufs individuelle Arbeiten? How to do it?: Worin bestehen legitime bzw. unzulässige Mittel der Kritik? Wie verändern soziale Medien Qualität und Sprache des Kritisierens?

10:00 Eröffnung / Lecture Michael Rebhahn: Große Klappe, Nichts Dahinter? Zu Einigen Tendenzen Gegenwärtiger Kritikpraxis

11:00 Lecture-Performance Johannes Kreidler: Against Applause

Es herrscht wohl Einigkeit darüber, dass das Feld der Neuen Musik noch nie so vielfältig-pluralistisch war wie heute. Demgegenüber scheinen die Qualitätskriterien, überhaupt der Modus der Kritik merkwürdig einförmig. Das beginnt beim Applaus: Jedes Stück will Applaus bekommen, also unmittelbar der Masse gefallen, und im Laufe eines Konzertes werden anhand des Applauses auch schon die Stücke verglichen, selbst wenn sie radikal verschieden sind. Und so setzt sich das in der Musikkritik oft fort, statt einer Vielfalt, ja Virtuosität von Kriterien wird schnell zum Fazit übergegangen. Vielleicht ist ihr aber gar nicht nur der Vorwurf zu machen, sondern es liegt auch an den Künstler*innen, Bedingungen anders zu gestalten.

Pause

13:30 Lecture Robert Barry: Criticism As Hyperstition

14:30 Gespräch: How To Deal With It?
Mit: Björn Gottstein, Barbara Lüneburg, Hannes Seidl, Jennifer Walshe
Moderation: Michael Rebhahn

16:00 Diskussion (Optional)

Co-finanziert durch das Creative Europe-Programm der Europäischen Union unterstützt durch das Ulysses Network

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