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Komponieren mit dem Archiv
Workshop Kirsten Reese

Mit Auswahlverfahren
Richtet sich an: Komponist*innen (Teilnehmer*innen der Darmstädter Ferienkurse 2018)
Maximale Teilnehmer*innenzahl: 12
Bewerbungsschluss: 15. März 2018

Thema: Kompositorische Arbeit mit Archiven und Archivmaterial

Arbeitsphasen:
12. / 13. April 2018: Erste Skype Konferenz mit den angemeldeten Teilnehmer*innen
14. – 28. Juli 2018: Darmstädter Ferienkurse

Thema des Workshops ist die kompositorische Arbeit mit Archiven und Archivmaterial. Der künstlerische Zugang und Umgang mit historischem Material und die Frage, was an dem Material heute interessant ist und wie das Material künstlerisch produktiv gemacht und in aktuelle, relevante Arbeiten transformiert werden kann stehen im Mittelpunkt. Ein konkreter Ausgangspunkt können  die Werke von Komponistinnen in der Geschichte der Ferienkurse und im Archiv des IMD sein.

Neben der Reflexion über die Ästhetik von spezifisch kompositorischen oder klangkünstlerischen Arbeiten werden Arbeiten aus anderen Künsten betrachtet, etwa in der Bildenden Kunst, wo die Auseinandersetzung mit Archiven schon lange ein wichtiges Thema ist. Neben kompositorischen werden andere Strategien beleuchtet: Einbeziehen von Medien, visuellem Material, Objekten.

Es geht um „found sound“, Material aus digitalen Archiven (Internet – Audiodatenbanken, digitalisierte Sammlungen, gemeinschaftliche Archive wie Youtube (ist youtube ein Archiv?)), Medienmaterial, field recordings etc. Mit dem Aufkommen der medialen Aufnahmetechnik entstehen auditive Dokumente mit einer eigenen Charakteristik: über das Audiodokument findet eine spezifische Form von Verkörperung, von „auratischer Anwesenheit“ statt,  etwa wenn Stimmen ausdrucksstark erklingen oder die Atmosphäre einer Klang-Umgebung hörbar wird. Im auditiven Medium spielen Verwandlung und Transformation des Realen eine besondere Rolle, wenn Anklänge (im Wortsinn), Assoziationen, andere Formen des Verstehens und Wissens über Klang und Musik vermittelt werden. Bei diesen Fragen wird auch Bezug genommen auf Diskurse über künstlerische Forschung und Bildung anderer Wissensformen in den Künsten. Die Arbeit mit Musik aus einem Archiv bedeutet auch das Komponieren mit und aus existierender Musik, was vielfältige ästhetische und ethische Fragen eröffnet.

Weitere Inhalte:

  • Strategien der Recherche
  • kompositorische Strategien und technisch-elektronische Verfahren, konkrete Übersetzungsstrategien von auditiven Dokumenten in Musik (Stimmtransformation, pitch-tracking/Tonhöhengenerierung; algorithmische Verfahren)
  • Zusammenstellung von Material (was bleibt unangetastet, was wird zitiert), Formbildung und Struktur

Im Vorfeld beschäftigen wir uns mit Werken von Komponistinnen in der Geschichte der Ferienkurse und im Archiv des IMD: Was sagen diese Werke uns heute? Was spricht mich an? Komponieren mit Material aus einem Archiv bedeutet Kontextualisierung – welche Kontexte eröffnen die Werke? Was muss weiter recherchiert werden? Zum Einstieg findet am 12. und 13. April eine erste Konferenz der Teilnehmer*innen  per Skype statt. Zu ausgewählten Werken und Biografien und künstlerischen Tätigkeitsfeldern der Komponistinnen soll recherchiert werden, auch über den Kontakt zu den Protagonistinnen selbst.

Zentrale Fragestellung wird sein, in welche künstlerischen Formen die Auseinandersetzung münden kann – neben instrumentalen/elektronischen Kompositionen auch andere Formen, die den Rechercheprozess künstlerisch einbeziehen – Installation, Ausstellung, performative, theatrale Formate, Lecture-Performance etc.

Während der Darmstädter Ferienkurse treffen wir uns täglich und entwickeln individuelle oder gemeinsame Arbeiten zum Thema. Der Austausch mit anderen Workshops und Dozent*innen ist vorgesehen.

Bewerbungsschluss war am 15. März 2018.
Kirsten Reese wird die Teilnehmer*innen bis spätestens Anfang April 2018  auswählen.

Fragen können gerichtet werden an: composingthearchive@internationales-musikinstitut.de

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