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God’s Entertainment
Theaterkollektiv

God’s Entertainment forschen interdisziplinär und in wechselnden Besetzungen an verschiedensten politischen und sozialen Themen unserer Zeit. Sie zitieren so reichlich und ausufernd aus unser aller Popkulturwelt, dass die Bezüge prasseln wie bei den Simpsons. Man kann sich der Faszination und der Energie der Performances von God’s Entertainment nur schwer entziehen, immerhin fahren sie alles an Mitteln auf, was gegenwärtig zum ABC der Theateravantgarde gehört, sie manipulieren und verführen das Publikum, wo es nur geht. Dass nicht jeder Zuschauer immer alles aufnehmen kann, wird bewusst in Kauf genommen – so überlagern sich Eindrücke, Bilder, Musik und Video zu eindrucksvollen und emotional dichten Theatererlebnissen, die sowohl für Theaterneugänger als auch für gewiefte Theaterwissenschaftler reichlich Diskussionsstoff bieten.

Wann funktioniert künstlerische Kollaboration?

Die negative Konnotation von Kriegskollaboration prägt diesen Begriff bis heute, deshalb hat der Begriff Kollaboration eine positive und zugleich eine negative Prägung. Im wahren Sinne bedeutet es schlicht Zusammenarbeit, aber wichtig ist hierzu, wer mit wem zusammenarbeitet, welche Interessen stehen dahinter und weshalb?

God’s Entertainment sind die wahren Kollaborateure, die seit 2006 als Kollektiv künstlerisch tätig sind, was stets eine Zusammenarbeit impliziert. Zusätzlich arbeiten wir immer wieder mit anderen Künstler*innen, bestimmten Gesellschaftsgruppen zusammen, das hängt natürlich davon ab, welche gesellschaftspolitische Themen zu verhandeln sind. Eine Kollaboration bringt „neue Luft und Energie“ mit, eröffnet neue Interessen und Felder, und das tut gut. Was bei God’s Entertainment irgendwie spezifisch ist und weshalb uns unterschiedliche Zusammenarbeiten auch gelingen, ist, dass alle zu Komplizen desselben Projekts werden, sofern alle arbeiten an der Sache und keiner weiß, wer eigentlich was gemacht hat. Wir sind doch alle die Komplizen der Kunst.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontext, in dem Sie auftreten?

Es ist sehr wichtig für uns, im welchen Kontext God‘s Entertainment arbeiten. Aufgrund unserer politischen Überzeugungen und aufgrund des gesellschaftspolitischen Engagements von God’s Entertainment versuchen wir nach wie vor unsere Arbeiten zu kontextualisieren. Das bedeutet, darauf zu achten, mit wem wir koproduzieren bzw. zusammenarbeiten wollen. Was für einen Background hat das Festival oder die Institution oder die künstlerische Leitung, die uns eingeladen hat? Wir sehen unser Engagement und die Aufgabe in Bezug auf die Darmstädter Ferienkurse darin, dass wir mit der Performance TARZAN zum postkolonialen und eurozentrischen Diskurs innerhalb des Festivals beizutragen versuchen. Welche Position und Rolle hat so ein wichtiges Festival in der Gegenwart, und welche Verantwortung trägt es hierbei? Da wir selbst aus einem anderem künstlerischen Kontext kommen, anders gesagt mehr interdisziplinär und in dem Performancebereich arbeiten, wollen wir mit unserem Projekt einen anderen Blickwinkel eröffnen. Denn wir suchen nicht nach Antworten, vielmehr stellen wir Fragen und versuchen, uns mit dem Publikum auf Augenhöhe auszutauschen. Wir belehren nicht, sondern hinterfragen.

Ist Musik Wissenschaft? Warum (nicht)?

Das wäre eine Frage für John Cage nach seiner Performance Water Walk aus dem Jahr 1960. Aus der Musik wird Wissenschaft gemacht, wir glauben aber, dass die Wissenschaft einen Beitrag zur Musik leisten kann, aber es ist auch wichtig zu hinterfragen, wie durch das Wissen und die Wissenschaft Gewalt ausgeübt wird, um ihre eigen Herrschaft zu legitimieren.

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© ️God's Entertainment / Peter Mayr