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08.08.2014

Die Technik macht einen Strich durch die Rechnung

BLOG

Zur Zukunft elektronischer Kompositionen – eine Lecture von Sebastian Berweck

 

Floppy Discs als Aufführungsmaterial? Alte, wabbelige Datenträger für prähistorische Mac-Computer, die mittlerweile im MoMA stehen. Von Absurditäten dieser Art kann Sebastian Berweck stundenlang berichten. Geht es um eine Wiederaufführung älterer elektronischen Kompositionen, kommt es häufig zu Problemen.


Die Technik ist schuld – wie so oft. Doch was ist „die Technik"? Was funktioniert da nicht? Und vor allem warum funktioniert es nicht? Kann die Schuld überhaupt auf die Technik geschoben werden? Diesen Fragen widmet sich der Pianist und Interpret elektronischer Kompositionen, Sebastian Berweck. Ausführlich betrachtet er diese Thematik in seiner Dissertation „It worked yesterday: On (re-)performing electroacoustic music", die er in seiner Lecture: „Death by laissez-faire. Wie Live-Elektronik durch Nachlässigkeit ins Abseits geschossen wird" zusammenfasst.

 

Möchte man das Equipment für elektronische Kompositionen ausfindig machen und Stücke einstudieren, kommt es bereits zu Schwierigkeiten. Doch wie oft funktioniert alles bestens bis zu der Situation, in welcher das Werk auf die Bühne gebracht wird?! Erst hier kommt es zur technischen Katastrophe, sodass Veranstaltungen sogar immer wieder abgebrochen werden müssen.

 

In den Gesprächen, die Sebastian Berweck mit zahlreichen Technikern führte, stellte sich heraus, dass bisher niemand einen funktionierenden Techinal Rider gesehen hat. Nicht nur die unpräzisen Stage Rider, auch defekte oder verschollene Patches, vernachlässigte Beschreibungen und Anweisungen sowie das Versäumnis entscheidende Aktualisierungen weiterzureichen, sind für die Probleme verantwortlich.

 

Die unzureichende Dokumentation führt zu Komplikationen und lässt die so aktuelle elektronische Musik enorm schnell veralten. Werke werden innerhalb kürzester Zeit unaufführbar. Eine Historie der elektronischen Musik sowie einer Interpretationskultur kann sich nicht entwickeln.

 

Sebastian Berweck ist als Interpret elektronischer Musik daran interessiert sich nicht stundenlang mit Problemen auseinander zu setzen, bevor er das Werk überhaupt einstudieren oder aufführen kann. Er möchte Werke erarbeiten und sie anschließend präsentieren.

 

Detektivische Arbeit, eine endlose Suche nach Fehlern und Komplikationen ist nicht nur demotivierend und nervenaufreibend, sondern auch ein Hindernis für die nachhaltige Auseinandersetzung mit elektronischen Kompositionen.

 

Jeder der Beteiligten arbeitet professionell, ist jedoch trotzdem nur auf einem Gebiet Spezialist. Grundvoraussetzung für das Gelingen einer Aufführung ist somit eine angemessene Aufgabenverteilung und intakte Kommunikation zwischen den Hauptakteuren Komponist, Verleger, Interpret und Techniker.

 

Welche Mittel und Methoden sind entscheidend, um den Problemen aus dem Weg zu gehen? Speziell dazu entwickelt Berweck Ansätze für Komponisten, Verleger, Interpreten und Techniker – denn obwohl elektronische Werke so verbreitet sind, wird einer intensiven Auseinandersetzung mit deren Umgang und Besonderheiten in der Lehre bisher keine große Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Berweck schlägt aus seiner eigenen Erfahrung Methoden und Anhaltspunkte vor, mit denen er einen Diskurs anregen möchte.

 

1. Eine Liste mit allen notwendigen Materialien, ihren exakten Bezeichnungen und Bezugsquellen sollte vorliegen und entsprechend aktualisiert werden.

 

2. Zeichnungen zum Bühnenaufbau sollten anschaulich und übersichtlich sein – am besten mit durchnummerierten Einzelteilen.

 

3. Patches sollten für den Interpreten in ihrer Darstellung sowie der Bedienung einfach und logisch sein. Sie haben im besten Fall eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung.

 

4. Patches sollten an mehreren Computern ausprobiert werden. Funktioniert die Komposition auf unterschiedlichen Computern, ist die Wahrscheinlichkeit für eventuelle Probleme enorm reduziert.

 

5. Für eine nachhaltige Arbeit ist eine Verständigung auf bestimmte Vokabeln und Bezeichnungen sinnvoll.

 

6. Das Einrichten von Datenbanken für die Dokumentation von Veränderungen an der Komposition sowie für alle notwendigen Bestandteile und Infos zum Werk ist zukunftsweisend.

 

So liegt die langfristige, komplikationsfreie Überlieferung elektronischer Kompositionen in den Händen der Musikschaffenden der Gegenwart. Sie können Standards entwickeln, diese etablieren und sich durch ihr Verhalten für den langfristigen Erhalt der Werke einsetzen.

Von Maya Mankiewicz
08.08.2014

Zur Zukunft elektronischer Kompositionen – eine Lecture von Sebastian Berweck

 

Floppy Discs als Aufführungsmaterial? Alte, wabbelige Datenträger für prähistorische Mac-Computer, die mittlerweile im MoMA stehen. Von Absurditäten dieser Art kann Sebastian Berweck stundenlang berichten. Geht es um eine Wiederaufführung älterer elektronischen Kompositionen, kommt es häufig zu Problemen.