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09.08.2014

Neue Freiheit

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Das Ensemble Adapter bei den Ferienkursen für Neue Musik

 

Darmstadt, Centralstation. Stückbeschreibung des Komponisten im Programmheft: „In Metal Zone treffen dumpfe Monotonie, eine strenge Begrenzung des Materials und Heavy Metal aufeinander. Kann daraus ein Gefühl der Freiheit entstehen?" Ja, es kann!


Weil der fast elektronisch wirkende, rhythmische Klang aus Bassklarinette und Cello direkt in den Körper geht und diese körperliche Erfahrung von Musik ein Gefühl von Freiheit verleiht. Weil die einfachen melodischen Patterns immer wieder überraschend jazzig werden und so den Rahmen der Erwartungen aufbrechen. Und: weil es einfach Spaß macht, dem höchst präzisen Zusammenspiel des deutsch-isländischen Ensembles Adapter zuzuhören.

 

Das eben beschriebene „Metal Zone" und andere Stücke von Paul Frick (*1979) wurden vergangenen Donnerstagabend bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik aufgeführt. Frick, dessen Trio Brandt Brauer Frick die Elektro-Szene mit ihrem akustischen Techno so richtig aufgemischt hat, zeigt auch in seinen Einzelkompositionen Anleihen an die zeitgenössische Clubmusik: repetitive Muster, rhythmische Impulse Richtung Tanzbarkeit und Offenheit gegenüber anderen Stilrichtungen als der Neuen Musik.

 

Fast symbiotisch wird Fricks Musik durch die besondere Programmgestaltung mit derjenigen einer anderen jungen deutschen Komponistin kontrastiert: Sarah Nemtsov (*1980). Da die Stücke oftmals pausenlos ineinanderfließen, verflechten sich die beiden so unterschiedlichen musikalischen Welten auf überraschende Weise. Nemtsov fragt in ihren Kompositionen nach dem Aspekt der Präsenz und Abwesenheit von Musik und experimentiert neugierig mit elektro-akustischen Möglichkeiten. So etwa in „Zimmer I-III", bei dem drei verschiedene Stücke übereinander geschichtet werden: eines für Harfe und das Effektgerät „Kaosspad", eines für Bassflöte und Bassklarinette, ergänzt durch das leise, doch stets vernehmbare Klappern zweier Laptops, und eines für Streichquartett, engagiert interpretiert vom Mivos Quartet. Immer wieder stößt Nemtsov die Tür zu einem der Klangzimmer auf, schließt sie dann wieder, doch oftmals lässt sie alle drei offen. So wandert man im Versuch, die Klänge zu erfassen, hörend von Zimmer zu Zimmer.

 

Die Gemeinsamkeit in der Musik der beiden Komponisten liegt darin, dass sich ihre Stücke in viele Richtungen öffnen – bei Nemtsov in Klangräume, bei Frick stilistisch – und sie doch die gleiche Luft atmen. Und vielleicht zeigt sich ja genau darin jenes Gefühl der Freiheit, das durch Musik möglich wird.

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Von Rebekka Meyer