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Reynolds, Roger (Komposition)

Geboren 1934 in Detroit/USA. Komponist, Autor, Produzent und Mentor. Ein Pionier in Klangverräumlichung, intermedialen ebenso wie algorithmischen Konzepten. Von der Kritik mit einem ungewöhnlich breit gefächerten und visionären kompositorischen Profil ausgezeichnet, jemand, der verschiedenste Fähigkeiten und Perspektiven zusammenbringt. Er ist ein anerkannter Autor über die eigene sowie Musik anderer Komponisten, über kompositorische Methoden und Ideale, und er war seit Jahrzehnten eine leitende Kraft in der Entwicklung des Graduiertenprogramms in Musik an der UCSD. Er hat verschiedene Events organisiert, darunter ONCE (Ann Arbor), A Colloquium on Form and Time (IRCAM/Paris), CROSS TALK (Tokio), Horizons ’84 (New York), The Pacific Ring, und Xenakis@UCSD festivals (San Diego).


Reynolds vielleicht berüchtigste Komposition ist „The Emperor of Ice Cream“ (1961). Sie verwendet graphische Notation, um die Position der Aufführenden auf der Bühne darzustellen und wurde zu einem oft imitierten Modell. Darin interpretieren acht Sänger und ein Jazz Trio ein Wallace-Stevens-Gedicht im Prozess seiner Manifestation. Tatsächlich ist Reynolds Musik oft eine Antwort auf bedeutende Texte, zum Beispiel von Beckett: angefangen vom intermedialen „PING“ (1968) über die quadrophonen VOICESPACE-Stücke bis zu einer seiner drei großen IRCAM-Aufträge, „Odyssey“ (1989-93). Reynolds Komposition „Whispers Out of Time“ für Streichorchester, die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, reflektiert ein Gedicht von Ashbery. Diese Arbeiten – tatsächlich sind sie virtuelle Gemeinschaftsarbeiten – zeigen, wie nahtlos Text, elektroakustische Mittel und neuartige Präsentationsstrategien mit Live-Instrumental- und Gesangsperformance verbunden werden können.


Projekte mit einzelnen Performern und Ensembles, Theaterregisseuren, Choreographen und Wissenschaftlern haben direktere und herausforderndere Gemeinschaftsarbeiten hervorgerufen. Ein bedeutendes Beispiel ist „Sanctuary“ (2003-07) für Schlagquartett und Echtzeit-Klangverarbeitung (entworfen für Räume mit unkonventioneller Architektur). Über diese Komposition schreibt Gramophone: „Reynolds geht direkt in den Klang. … Hier ist die mit Abstand originellste Sicht auf Schlagzeug seit Varèses ,Ionisation‘.” Ebenso ein jüngerer Zyklus von drei Duos für einen Solisten und einen Computer-Musiker: „Dream Mirror“ (Gitarre), „MARKed MUSIC“ (Kontrabass) und „Shifting/Drifting“ (Violine).


Über das Doppel-CD-Set mit Reynolds sämtlicher Cello-Musik (Mode 2015) mit Alexis Descharmes schreibt Gramophone: “frisch gesprägt und doch aufregend offen … Welcher andere Komponist hätte zu solch eine Partitur wie ‘Thoughts, Places, Dreams’, für Cello und Kammerorchester (2013), gelangen können? … Reynolds pflanzt Samenkörner in unsere Erinnerung; er fordert uns heraus, unsere Erinnerungen in Beziehung zu setzen zu dem, was wir zu hören geglaubt haben, oder was wir gehört haben könnten…”


Reynolds Musik wird ausschließlich bei C. F. Peters verlegt und seine Manuskripte sind in der Special Collection in der Library of Congress und der Sacher Stiftung untergebracht. Er hat Aufträge vom Philadelphia, San Francisco, Los Angeles, BBC und vom National Symphony Orchestra, sowie vom British Arts Council, dem französischen Kulturministerium, IRCAM sowie der Fromm, Rockefeller und Kousevitzky Foundation erhalten. Aus einer jahrzehntealten Verbundenheit mit Irvine Arditti sind vier Streichquartette sowie Stücke für Violine Solo und ein Violinkonzert entstanden. Reynolds wurde auf vielen internationalen Festivals gespielt, darunter Edinburgh und Proms (Großbritannien), Agora und Why Note? (Frankreich), Musica Viva und Darmstadt (Deutschland), Music Today und Orchestral Space (Tokio), Warschauer Herbst, ISCM (Österreich, Taiwan, Polen) und ONCE (Ann Arbor), Fromm Concerts (Harvard), Monterrey (Mexiko) und New Music Concerts (Toronto) (Amerika).


Aktuelle Projekte beinhalten eine abendfüllende Gemeinschaftsarbeit „FLiGHT“, die das Streben der Menschheit nach der Fähigkeit zum Fliegen – und dessen Verwirklichung – portraitiert, sowie ein Buch, das Xenakis’ Prozess nachzeichnet, als er ein Haus in der Wüste für die Familie Reynolds entworfen hatte. Seinen eigenen Weg sieht er als ein prinzipientreues Zusammenweben von Traditionssträngen mit neuartigen Impulsen, die ihren Ursprung außerhalb der Musik haben. Paul Fraisses “The Psychology of Time” zusammen mit seiner eingehenden Auseinandersetzung mit Psychoakustik haben seine Sicht wesentlich beeinflusst. Eine zehnjährige Zusammenarbeit zwischen IRCAM und der UCSD hat seine Komposition „The Angel of Death“ in dutzenden von Artikeln und Veröffentlichungen eingehend untersucht. Seine Forschung in den Sammlungen der Sacher Stiftung führten zur Veröffentlichung einer Studie in zwei Teilen über Varèses richtungsweisender Konzeptualisierung des Raumes: „The Last Word is Imagination: Parts I and II“. Auch Reynolds lange Freundschaften mit Cage, Nancarrow, Takemitsu und Xenakis haben ihn geprägt.

Geboren 1934 in Detroit/USA. Komponist, Autor, Produzent und Mentor. Ein Pionier in Klangverräumlichung, intermedialen ebenso wie algorithmischen Konzepten. Von der Kritik mit einem ungewöhnlich breit gefächerten und visionären kompositorischen Profil ausgezeichnet, jemand, der verschiedenste Fähigkeiten und Perspektiven zusammenbringt. Er ist ein anerkannter Autor über die eigene sowie Musik anderer Komponisten, über kompositorische Methoden und Ideale, und er war seit Jahrzehnten eine leitende Kraft in der Entwicklung des Graduiertenprogramms in Musik an der UCSD. Er hat verschiedene Events organisiert, darunter ONCE (Ann Arbor), A Colloquium on Form and Time (IRCAM/Paris), CROSS TALK (Tokio), Horizons ’84 (New York), The Pacific Ring, und Xenakis@UCSD festivals (San Diego).

Website Roger Reynolds