19.07.2016

Presseinformation 19. Juli 2016

ARCHIVE FEVER – Das digitalisierte Ferienkurs-Archiv als Inspirationsquelle

 

Wenn man ein Archiv betritt, begegnet man einer Fülle von Narrativen. Das Gedächtnis der Institution befindet sich nicht an einer bestimmten Stelle, sondern überall: zum Teil auf Disketten und Kassetten, zum Teil auf dem Papier, zum Teil in den Köpfen der Menschen. – Lars Petter Hagen

 

Mehr als sechs Jahrzehnte lang war das Archiv des Internationalen Musikinstituts Darmstadt (IMD) ein Präsenzarchiv für Eingeweihte. Nach sechs Jahren intensiver Digitalisierungsarbeit fällt das 70-jährige Jubiläum der Darmstädter Ferienkurse 2016 mit der weitgehenden Archiv-Erschließung und der damit möglichen internetbasierten Recherche zusammen. Bevor das seit 2010 umfangreich digitalisierte IMD-Archiv der Öffentlichkeit vorgestellt wird, zeigen die Darmstädter Ferienkurse neue Werke von Künstler*innen, die unter dem Motto „Performing the Archive“ im Auftrag des IMD mit den Archivmaterialien gearbeitet haben

 

Originale Korrespondenz berühmter Komponisten und Theoretiker, Aufnahmen legendärer Vorträge und Aufführungen, Partituren, eine Sammlung seltener Fotos und Filmmaterial standen dem norwegischen Komponisten Lars Petter Hagen für seine Konzert-Installation zur Verfügung.


Archive Fever ist eine subjektive Begegnung mit dem Ferienkurs-Erbe, die persönliche Erforschung seiner Identität, seiner Vergangenheit und Gegenwart. Mit einem Parcours, der am 6. August um 18:30 Uhr im Justus Liebig-Haus vom Ensemble Interface eröffnet wird, unternimmt Hagen den Versuch, eine geradezu taktile Präsenz der Darmstadt-Geschichte erlebbar zu machen.

 

Auch das von Michael Rebhahn kuratierte und mit dem Goethe-Institut geplante transnationale Projekt historage initiierte die Entstehung einer Reihe von Kunstwerken, die sich mit Historie und Historizität der Ferienkurse befassen. Entstanden sind künstlerische Beiträge aus sieben Ländern in Afrika, Nord- und Südamerika, Asien und Europa von Multimedia-Performances, über Klang- und Videoinstallationen bis hin zu einem Gender-Diskursforum und einem Call for Remixes.

 

Samson Young aus Hongkong realisierte für historage den Film Notational Tendencies and Performance Processes: ein dramatisches Re-Enactment einer Lecture des amerikanischen Komponisten Earle Brown, die er 1964 bei den Darmstädter Ferienkursen gegeben hat. Brown sprach hier von der "kulturellen Verantwortung" notationaler Praxis. In Youngs Film umkreist die Kamera den Schauspieler Michael Schiefel langsam für die Dauer einer Stunde, wobei sie kontrastierende Perspektiven zwischen der Performance und dem Raum des Geschehens preisgibt. Stockhausen and Biko in Johannesburg ist eine dreifache Videoprojektion mit Multikanal-Soundtrack des südafrikanischen Künstlers Philip Miller. Seine Arbeit versteht sich als ein imaginierter Dialog zwischen dem Black-Consciousness-Aktivisten Steve Biko und Karlheinz Stockhausen, der im März 1971 den Zusammenschluss der Townships für die schwarze Bevölkerung von Johannesburg besucht hatte. Das Ensemble Distractfold aus Manchester, Kranichsteiner Musikpreisträger 2014, schrieb für historage einen Open Call aus: Junge Komponist*innen, Klangkünstler*innen und Elektronik-Produzent*innen wurden dazu eingeladen, Remixes, also Umarbeitungen von oder Antworten auf Archivaufnahmen aus 70 Jahren Darmstädter Ferienkursen einzureichen. Aus über 60 Einreichungen hat Distractfold zehn Arbeiten ausgesucht, die auf einer CD in limitierter Edition veröffentlicht und im Rahmen einer Release-Party am 6. August bei den Darmstädter Ferienkursen präsentiert werden.

 

Bildcredits: IMD und Kristof Lemp.


70 Jahre: 1946 – 2016
Internationale Ferienkurse für Neue Musik
29. Juli bis 14. August 2016

 

ARCHIVE FEVER
Samstag, 6. August um 18:30 Uhr im Justus-Liebig Haus in Darmstadt
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes sowie das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst


HISTORAGE
Ein Projekt des Internationalen Musikinstituts Darmstadt (IMD) und des Goethe-Instituts. Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

 

Ashley Fure
Panel: Gender relations in Darmstadt
Mittwoch, 3. August um 14.00 Uhr in der Lichtenbergschule (Mensa) Darmstadt

 

Alexey Shmurak – Distractfold
Samstag, 6. August um 22.00 Uhr in der Galerie Kurzweil in Darmstadt

 

Hanno Leichtmann: Nouvelles Aventures
3.—9. August 2016, 11:00 – 18:00 Uhr (außer Montag, 8. August)
Mathildenhöhe Darmstadt, Museum Künstlerkolonie

 

Philip Miller: Stockhausen and Biko in Johannesburg
3.—9. August 2016, 11:00 – 18:00 Uhr
Mathildenhöhe Darmstadt, Designhaus (1. OG)

 

Nicolás Varchausky: The Migration of Data and Other Life Forms
3.—9. August 2016, 11:00 – 18:00 Uhr
Mathildenhöhe Darmstadt, Foyer Fachbereich Gestaltung – Hochschule Darmstadt

 

Samson Young: Notational Tendencies and Performance Processes
3.—9. August, 11:00 – 18:00 Uhr
Mathildenhöhe Darmstadt, Designhaus (EG)

 

Weitere Pressemitteilungen finden Sie unter dem folgenden Link:
www.internationales-musikinstitut.de/ferienkurse/presse/pressemeldungen.html

 

Akkreditierung und Bestellung von Pressekarten:
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Hermann Heiß (c) IMD
19.07.2016

ARCHIVE FEVER – Das digitalisierte Ferienkurs-Archiv als Inspirationsquelle

 

Wenn man ein Archiv betritt, begegnet man einer Fülle von Narrativen. Das Gedächtnis der Institution befindet sich nicht an einer bestimmten Stelle, sondern überall: zum Teil auf Disketten und Kassetten, zum Teil auf dem Papier, zum Teil in den Köpfen der Menschen. – Lars Petter Hagen

 

Mehr als sechs Jahrzehnte lang war das Archiv des Internationalen Musikinstituts Darmstadt (IMD) ein Präsenzarchiv für Eingeweihte. Nach sechs Jahren intensiver Digitalisierungsarbeit fällt das 70-jährige Jubiläum der Darmstädter Ferienkurse 2016 mit der weitgehenden Archiv-Erschließung und der damit möglichen internetbasierten Recherche zusammen. Bevor das seit 2010 umfangreich digitalisierte IMD-Archiv der Öffentlichkeit vorgestellt wird, zeigen die Darmstädter Ferienkurse neue Werke von Künstler*innen, die unter dem Motto „Performing the Archive“ im Auftrag des IMD mit den Archivmaterialien gearbeitet haben

 

Originale Korrespondenz berühmter Komponisten und Theoretiker, Aufnahmen legendärer Vorträge und Aufführungen, Partituren, eine Sammlung seltener Fotos und Filmmaterial standen dem norwegischen Komponisten Lars Petter Hagen für seine Konzert-Installation zur Verfügung.

Hermann Heiß (c) IMD