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In this BLOG, the Writing Workshop of the Darmstadt Summer Course, directed by Anne Hilde

Neset, Peter Meanwell and Stefan Fricke, is publishing texts and audio reviews during the festival.
The articles represent the opinion of the respective author.

 


10.08.2016

Gegensätze ziehen sich an

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Konzertbesprechung: Extended Strings

 

Gegensätze ziehen sich an. Mögen Kontrabass und Elektronik doch wie ungleiche Partner erscheinen, so wurde man am 02. August 2016 beim Konzert Extended Strings in der Darmstädter Orangerie eines Besseren belehrt. Nachdem das Stück von Bernhard Lang leider entfiel, bot sich die Möglichkeit das ungleiche Duo im Werk Kaleidoscopic memories des namhaften Komponisten Beat Furrer zu erleben. Das Stück wurde im Juni in Paris uraufgeführt und erfuhr am gestrigen Abend seine deutsche Erstaufführung. Durch die elektronische Aufnahme, Wiedergabe und Überlagerung der Kontrabassklänge entstanden in diesem Werk die verschiedensten Klangkonstrukte, in denen doch tatsächlich das Verständnis eines Kaleidoskops in die Musik transferiert werden konnte.


Anders das Werk HIDDEN von Chaya Czernowin, ihr jüngstes Streichquartett mit Elektronik. Der Gedanke hinter der Komposition ist es, unsere Ohren zu Augen werden zu lassen, sodass man die gehörte Klanglandschaft zu sehen vermochte. Man hätte meinen können, man befände sich inmitten eines Regenwaldes als die Klänge, bewirkt durch die über dem Publikum befestigen Lautsprecher, wie Regentropfen herunterprasselten. Ein klanglicher Schauer, der mal stärker und mal schwächer wurde, oder sich gar als Gewitter zu entladen drohte. Untermalt von einem Klangteppich, der sich wie seichtes, manchmal bedrohliches Rauschen mitbewegte. Immer wieder bäumte sich das Klanggeflecht auf, um anschließend wieder sanft zu verklingen. Der israelisch-amerikanischen Komponistin gelang es durch und durch die elektronisch generierten Naturgeräusche einzusetzen. Jedoch hatte Czernowin ihr Potential schon bald verspielt, sodass nach einiger Zeit eine ermüdende Statik im Stück entstand.


Definitiv wieder wach wurde man im letzten Werk und Konzert-Highlight des Abends: Jennifer Walshes Uraufführung von EVERYTHING IS IMPORTANT. Walshe performte als Gesangssolistin gemeinsam mit dem Arditti Quartet und Elektronik. Wem diese Kombination auch noch so unpassend erscheinen mochte - kein Element hätte auf das andere verzichten können. Kaum in Worte fassen lässt sich das Spektakel. Wahrlich eine Reizüberflutung der Sinne. Während das Quartett spielte und Walshe sang, sprach oder Laute von sich gab, als wäre sie von Dämonen besessen, wurden unaufhörlich Videosequenzen eingeblendet, die durch sich ständig ändernde und wieder verschwindende Bilder überlagert wurden. Von einem tanzenden Cellisten, bis hin zur Sängerin, die gymnastische Übungen ausführte, war bei diesem Stück alles dabei. Bei der Medienvielfalt wusste man gar nicht so recht, worauf man sich konzentrieren sollte. Das Werk war schnell, schrill und überladen. Bei der Fülle kam jedoch gewiss keine Langweile auf - auch wenn man mit Fragen zurückblieb.

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Friederike Schmiedl