eventgrafik-2016

 

In this BLOG, the Writing Workshop of the Darmstadt Summer Course, directed by Anne Hilde

Neset, Peter Meanwell and Stefan Fricke, is publishing texts and audio reviews during the festival.
The articles represent the opinion of the respective author.

 


11.08.2016

In Frankfurt erklärt Darmstadt den musikalischen Bankrott

BLOG


Eva Reiters The Lichtenberg Figures

 

Das Setting ist perfekt durchdesigned. Im Rahmen der Darmstädter Ferienkurse spielte am Mittwochabend (03.08.16) das Brüsseler ICTUS-Ensemble zusammen mit der Wiener Composer-Performerin Eva Reiter deren Werk The Lichtenberg Figures im Frankfurter LAB. Eva Reiter mit ihren Crossover-Performances, die die alte, die Neue und die Popmusik einbeziehen, und das LAB, das immer auch ein paar szenefremde Studenten mit Sinn fürs Außergewöhnliche anzieht, das passt zusammen: Experimente ohne Risiko, Pop ohne Unterschicht. Das Ensemble ist stufenartig um die singende Eva Reiter gruppiert, die im Dämmerlicht der Coolness über allem thront.

 

Grammophonähnliche Trichter in Retro-Ästhetik und Eva Reiter selbst als rothaarige Seraphe im goldenen Asia-Jumpsuit setzen Akzente in dieser 80er Jahre Science-Fiction-Atmosphäre. The Lichtenberg Figures orientiert sich formal an den Air-Büchern der Renaissance, besteht aus Vorspiel, sieben Liedern nach Sonettexten des New Yorker Schriftstellers Ben Lerner (*1979), und sechs instrumentalen Zwischenspielen. Zu höfischer Galanterie gesellt sich apokalyptischer Größenwahn des Spätkapitalismus. Selbstbewusst artifiziell fährt die Unterhaltungsindustrie ihre Geschütze auf: kreischende E-Gitarrensounds, wilde fast-forward Beats, anbiedernde Atemgeräusche und wabernde Bässe. Eva Reiter schöpft in ihren Songs aus den vollen Reservoirs von Lady Gaga, Skunk Anansy, Skrillex, Kraftwerk, aus den Spieltechniken Neuer Musik, akkurater Elektronik und einer Lichttechnik, die weiß, worauf es ankommt. Dass es keine Videoanimation gibt, wirkt hier beinahe wie eine bescheidene Zurücknahme. Beinahe, denn es hätte doch nur vom goldenen Kalb abgelenkt. Die gesungenen und gesprochenen Texte werden liveelektronisch transformiert und gehen schnell ins Geräusch über. Die Stimme Eva Reiters verwandelt sich in die von Bruce Willis, Siri oder in sphärischen Gesang. Der Sound verlässt den Körper der Performerin. Und auch die Texte fügen sich in diesen Rausch, die zerrütteten und elektronisch verzerrten Zeilen handeln von Künstlichkeit und Körper, Sinnlosigkeit und Rache, Mord und Selbstmord. Die Musik zielt auf die Geste, ist immer eindeutig und trifft die Effekte, die sie ansteuert. On Point und ohne überflüssige Fragen.


Mit Neuer Musik hat das natürlich nichts zu tun. Eva Reiter gibt dem Publikum das, was es will. Ihr Maßstab ist die Realität, so wie sie ist. Neue Musik aber will das Gegenteil: sie muss der Realität zum Maßstab werden. Verstehen wir doch Neue Musik in genau diesem Sinne, können wir es uns dennoch nicht leisten, uns selbstsicher über Stücke wie The Lichtenberg Figures zu erheben. So obszön und geschmacklos auch ihre eindeutige Direktheit ist, Eva Reiter kommt an, wir nicht. Die Frage ist jetzt, wie wir mit dieser Bankrotterklärung umgehen. Im besten Falle ist die Performance im LAB ein Trauma für die Neue Musik, eine Konfrontation mit ihrer eigenen unverzeihlichen Schwäche, der Unfähigkeit, mit ihrer musikalischen Sprache eine Öffentlichkeit zu bannen. Dieses Trauma klafft jetzt im Programm der Darmstädter Ferienkurse und der größte Fehler wäre, es wegzurationalisieren.

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COMMENTS

 

Comment by Stefan Fricke (16.08.2016):

Richtigstellung zum Kommentar von Jonas Reichert

Es stimmt, dass ich als Projektleiter der deutschsprachigen Schreibwerkstatt bei den Darmstädter Ferienkursen 2016 zu Beginn der Veranstaltung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vereinbart habe, dass die Kommentarfunktion auf dem Beitragsblog inaktiv bliebe, da die zeitlichen Kapazitäten für eine (mir sinnvoll erscheinende) moderierte Form ergänzender Kommentare nicht genügen würde. Gedacht war diese Regelung jedoch als Interna, um die im weitestgehend geschlossenen Kurs geführten Diskussionen dort zu belassen und sie nicht als Innercircle-Debatten in einer Blog-Öffentlichkeit weiterzuführen.

Nachdem am 11. August Jim Igor Kallenbachs Artikel über die Aufführung von Eva Reiters „The Lichtenberg Figures“ auf dem Blog veröffentlicht worden war, erhielt die Ferienkurs-Leitung e-Mail-Reaktionen von AutorInnen außerhalb der deutschsprachigen Schreibwerkstatt, die sich direkt und indirekt auf Kallenbachs Text bezogen bzw. sich mehr oder weniger konkret wie kritisch mit den darin getroffenen Äußerungen auseinandersetzen und andere Positionen vertreten. Es schien deshalb geboten, diesen Meinungen nun ebenfalls eine öffentliche Plattform zu geben. Und so entschlossen sich die Ferienkurs-Leitung und ich uns dazu, die Kommentarfunktion des Blogs freizuschalten. Diese Plötzlichkeit evozierte nun bei den TeilnehmerInnen der Schreibwerkstatt eine ungute Situation. Die daraus resultierenden Spekulationen über den Vorgang (siehe den Kommentar von Jonas Reichert) sind allerdings Fehleinschätzungen und in Bezug auf die Ferienkurs-Leitung falsche Annahmen. Tatsache ist vielmehr ein Geflecht kommunikativer Unklarheiten (intern - extern), das in der Sache der Blog-Kommentar-Freischaltung zu bedauerlichen Missverständnissen geführt hat. Dafür aber habe ich als Projektleiter der Schreibwerkstatt – und nicht die Ferienkurs-Leitung – die Verantwortung zu übernehmen.
Stefan Fricke


Comment by Jonas Reichert (15.08.2016):

Die Schreibwerkstatt der Darmstädter Ferienkurse, deren Teilnehmer ich war, ist Zeuge einer perfiden Machtdemonstration geworden. Würde man sie nun nicht ansprechen und die Kommentare, die bislang geschrieben wurden, unkommentiert lassen, würde die Öffentlichkeit nichts von ihr erahnen. Doch die schiere Koinzidenz der Tatsachen, spricht für sich.

Die Kommentarfunktion des Blogs, auf den die TeilnehmerInnen der Schreibwerkstatt ihre Texte und Audio-Beiträge veröffentlichen durften, sollte für die gesamte Zeit der Darmstädter Ferienkurse (29.7.–14.8.) inaktiviert bleiben. Das sicherte man den TeilnehmerInnen zu Beginn der Ferienkurse zu, obwohl diese selbst angeregt hatten, die Kommentarfunktion zu aktivieren. Der Wunsch bestand, auch online gepflegt zu debattieren. Man einigte sich dennoch darauf, dass keine online Kommentare zugelassen würden. Am 11. August veröffentlichte der Schreibwerkstattler Jim Igor Kallenberg seine Rezension „In Frankfurt erklärt Darmstadt den musikalischen Bankrott“ zu Eva Reiters „The Lichtenberg Figures“. Wie fast jede/r in der Neuen Musik pflegt Reiter gute Kontakte zur Szene, so auch zur Festivalleitung der Darmstädter Ferienkurse. Einen Tag nach Veröffentlichung der Kritik wurde die Kommentarfunktion des Blogs seitens der Festivalleitung aktiviert. Die Festivalleitung erklärte gegenüber den TeilnehmerInnen der Schreibwerkstatt die Beweggründe hierzu nicht. Fünf Kommentare wurden bislang auf dem gesamten Blog hinterlassen, alle fünf zu Kallenbergs Text (Stand: 15.8., 6:00 Uhr). Die Festivalleitung äußerte sich offiziell nicht zu Kallenbergs Text. Die fünf Kommentare sprechen aber in ihrem Sinne; sie attackieren Kallenbergs Text aufs Heftigste. Man sollte bedenken, dass zuvor bereits äußerst kritische Kommentare aus der Schreibwerkstatt veröffentlicht wurden, in denen man etwa Johannes Kreidler als Narzisst bezeichnete, oder ein Stück von Claus-Steffen Mahnkopf für lächerlich erklärte. Hierzu gab es, anders als bei der Kritik zu Eva Reiter, keine Reaktion seitens der Festivalleitung. Die Festivalleitung reagierte mit der Öffnung der Kommentarfunktion also ausschließlich auf eine Rezension zu Reiters Stück.

Um es noch einmal zu betonen: Gegen die Kommentarfunktion an sich ist nichts einzuwenden; Kallenberg kann und muss die Kritik ertragen. So wie jede/r KünstlerIn im Übrigen auch. Doch die Kommentare dann zuzulassen, wenn es der Festivalleitung passend erscheint, ist eine Verletzung der Spielregeln in einem Spiel, das wir, junge JournalistInnen, nur verlieren können. Dieser Kommentar ist möglicherweise ein Schritt ins eigene Schachmatt.

Wie muss es um die geistige Landschaft der Neuen Musik stehen, dass ein einzelner Kommentar, eines noch unbekannten, jungen Journalisten auf einem relativ unbekannten Blog (fünf Kommentare bei über vierzig Beiträgen) einen ganzen Machtapparat in Gang setzt. Wie verflacht muss die Szene sein, dass der utopische Eifer in Kallenbergs Text als Respektlosigkeit diffamiert wird (einer der Kommentatoren wirft Kallenberg vor, den „journalistischen Respekt“ über Bord geworfen zu haben; dieser vermeintliche Respekt besteht offenbar in institutioneller Anbiederung). Ich möchte an die Utopie glauben, von der Kallenberg spricht, an die Möglichkeit, dass Musik uns mehr geben kann, als das, was die absurde Welt uns zu bieten hat. Die Neue Musik und ihre Repräsentanten zeigen aber, wie absurd ordinär diese Neue Musik ist. Diesen Status quo wollen sie beibehalten und dadurch die Neue Musik retten. Indem sie sie in die perfiden Machenschaften unserer Welt zerren, tun sie genau das Gegenteil. Von der Perfidität muss die Neue Musik gelöst werden und dazu braucht es Schreiber wie Jim Igor Kallenberg.
Jonas Reichert


Comment by Nico Couck (14.08.2016):

One does not often get the chance to read this kind of writing. Carefully considered words, imaginative synonyms, highly original phrasings, and so on. I can only imagine that the 2016 Writing Workshop enabled Jim Igor Kallenberg to finetune his already established prosaic skillset and lift it to the current level of reviewing music. Personally, I foresee the reviewer to have a grand career in writing commercial descriptions for toothbrushes, toothpastes, razorblades and make-up products. Descriptions wherein the actual quality of the product is masterfully hidden, but where the words that constitute the text transport this product to a completely different dimension. Descriptions wherein the content of the subject is ignored, but where the words offer the reader brilliant pulp fiction. Because after all, not every composer receives the original honor of being compared to Bruce Willis.

Thank you, Jim Igor Kallenberg.

Nico Couck


Comment by Karin Harasser (14.08.2016):

Wer bei der besprochenen Aufführung war muss sich fragen, wer oder was hier den Bankrott erklärt: Sicher nicht die Neue Musik, auch nicht die Darmstädter Ferienkurse, eher schon ein Schreiben über Musik, das apodiktisch sein möchte, aber oberflächlich und effekthascherisch bleibt. Ganz im Gegenteil zu Stücken wie die „Lichtenberg Figures“ von Eva Reiter oder Steven Kazuo Takasugis ebenfalls im Rahmen der Ferienkurse gezeigte „Sideshow“.

Ja, beide Stücke adressieren Zuhörende. Ja, beide Stücke möchten es ansprechen. Aber sie tun es mitnichten platt auf Affekt kalkulierend und im Sinne einer Instantanbefriedigung von Erwartungshaltungen. Vielmehr aktivieren sie eine Dimension des Hörens, die ich als eine historisch sensible Situierung desselben bezeichnen würde: Indem historisch spezifische musikalische Formen gegeneinander montiert werden, eröffnen sich Intervalle für eine im Hören selbst stattfindende Befragung nicht nur dieser Formen, sondern auch ihrer politisch-ästhetischen Implikationen. Es ist auffällig, dass beide Stücke mit Literatur arbeiten, also zusätzlich zur visuellen und akustischen Dimension eine Reibefläche miteinbeziehen, die einen rein kulinarischen Zugang durchkreuzt. Dieses Vorgehen verhindert, dass ein einziges Gestaltungsprinzip den Maßstab bilden kann, das ist wohl wahr. Die Befragung von Maßstäben wäre aber meinem Dafürhalten nach doch die Aufgabe von Neuer Musik will sie nicht zum Fossil einer – für ihre Zeit zweifelsfrei richtigen und zwingenden! – Geste erstarren. Was Neue Musik gewesen sein wird, das wird sich erst in der Zukunft erweisen, für die Gegenwart scheint mir, dass das Vorgehen von Reiter und Takasugi diese Möglichkeit keineswegs ausschließt: Sich Hineinbegeben in musikalisch Erprobtes (von der Renaissance über die klassische Moderne bis hin zur Elektronik) und es von innen an die Grenzen führen, Virtuosität ausreizen, bis sie bricht, dem Publikum nicht ersparen, damit auch gefühlsmäßig umzuzugehen; das erscheint mir jedenfalls mutiger, als immer schon gewusst zu haben, was das ist, die Neue Musik. Und das entsprich im Übrigen auch eher der Schaffung einer eigenen Wirklichkeit zu entsprechen, als die Reproduktion einer Musik, die selbstsicher eine Gegenwelt aus der Vergangenheit wiederaufführt. Wobei auch dagegen wenig spricht, zumal keine Aufführung je gleich ist. Denn vergangene Zukünfte wiederzugewinnen ist ebenso schwierig wie in der Gegenwart eine aufzuspüren.
Karin Harasser


Comment by Helmut Wäldele (13.08.2016):

Lichtenberg Figures von und mit Eva Reiter und der belgischen Gruppe Ictus als „Bankrotterklärung“ der Darmstädter Ferienkurse? Markige Behauptung, aber leider genau daneben. Nichts gegen unterschiedliche Wahrnehmungen und Beurteilungen von Musik. Das bleibt der freien Entscheidung des Betrachters oder Hörers, oder, wie in diesem Fall, dem Journalisten überlassen. Aber muss man gleich vom Untergang der Neuen Musik sprechen, wo nicht einmal klar ist, was sie überhaupt heute zu bedeuten hat? Mitnichten aber hat sie, wenn man denn den Begriff der Neuen Musik beibehält, zu bedeuten, dass sie „der Realität zum Maßstab zu werden“ hat. Allein schon die Wortbildung ist bedenklich, zumindest sehr missverständlich. Soll sie am Ende die Politik ersetzen, oder gar Ausgangspunkt einer wie immer gearteten Revolution sein? Mehr Hybris geht wohl kaum noch.
Und wo ist das Stück „obszön“ und „geschmacklos“? Ich finde es an keiner Stelle. Die Texte von Ben Lerner, übrigens 1983 geboren, sollte man wenigstens gelesen und überdacht haben, bevor man in die Vollen greift. Und wenn es denn so wäre – angenommen sie seien obszön und geschmacklos – warum sollte dies in Gottes Namen „zum Trauma für die Neue Musik“ führen? Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein angeblich nicht in das Genre der Neuen Musik passendes Stück, weil angepasst, obszön und von „eindeutiger Direktheit“, führt zum Bankrott der Ferienkurse und verschafft dem Unternehmen 'Internationale Ferienkurse für Neue Musik' ein Trauma. Schlimmer geht´s nimmer, ist man geneigt zu sagen.
Aber was steckt hinter dieser Invektive? Schwer zu sagen. Aber offensichtlich ist diese „Kritik“ in der Schreibwerkstatt, die Teil der Ferienkurse ist und von Stefan Fricke, Peter Meanwell und Anne Hilde Neset verantwortet wird, entstanden. Dort sitzen junge angehende Musikjournalisten, die, unter Anleitung durch erfahrene Kenner der Szene, das Handwerk erlernen wollen und erste Schreiberfahrungen machen möchten. Das ist gut so. Aber muss man gleich so über die Stränge schlagen und allen journalistischen Respekt über Bord werfen? Muss man gleich die Apokalypse der Neuen Musik heraufbeschwören und in ein Trauma verfallen? Muss man gleich eine wunderbare Künstlerin und eine hoch innovative und professionelle Gruppe Ictus zum Sündenbock für eigene möglicherweise festgefahrene Musikauffassungen machen, dem das Werk nicht gerecht zu werden scheint? Ist es möglicherweise die eigene Bankrotterklärung, die die Schreibwerksatt auf Lichtenberg Figures von Eva Reiter projiziert?
Dass dieses außergewöhnliche Werk diesen Shitstorm einer Schreibwerkstatt auslöst, spricht allerdings eher für als gegen diese Komposition. Eva Reiter hat mit Lichtenberg Figures offensichtlich die Gemüter erhitzt, was absolut für Sinn und Absicht der Ferienkurse spricht. Ein Werk des 21. Jahrhunderts, das durchaus Parallelen zu Schönbergs Pierrot Lunaire (1912) aufweist. Lesen sie bitte dazu meinen Artikel „Ordnung und Freiheit - Struktur und Chaos: das 21. Jahrhundert auf die Bühne gebracht unter meinem Blog: hboscaiolo.blogspot.com
Helmut Wäldele


Comment by Dejana Sekulic (13.08.2016):

New music, and the eternal questions of aesthetics. Of course we should have critique and opinions. Different views and tastes. No any thing or being can or should be liked by all. However, somehow, when it comes to "critique" of artwork (all and any of its genres and forms) that explore beyond conventional, should be seen through eyes that allow time for reflection. Which is sometimes challenging, because of the velocity of life and demands of quick reporting, of being the first to report. One should love reading a good critique, impression of a piece or artwork or performance, but it seems equally important that those critiques and articles do not just bring the judging voice, but rather evoke questioning. Of course, it is difficult to stay completely impartial and detached from transcending personal impression, but it seems in the recent articles the individual impressions brought as final statements seem a bit rushed in concluding, and therefor being harsher than needed. And all this said with hope that I am not just being sometimes lost in translation, as while reading some of the articles in German, including this one, I did enlist the help of a dictionary in couple of moments. Albeit not a journalist, but still a person who tries to follow with the open mind (and heart) the happenings and performances of present time, and especially during the IMD, I felt the desire to share maybe a different view..
At first a bit struck by the fact that this is a blog of the writing workshop, and yet there was no “comments” section, it was a happy discovery to see that it has been opened to comments. To have a shared space for talks and reflections, especially in the spirit of this being a workshop, and the whole new music course and festival, being exposed, opposed and bringing and starting up a conversation seemed as it would benefit all - future writers, journalists, but as well performers and new music lovers. Even if it does not happen directly and solely with the authors, even if it is just among the readers, who are here, after all, exactly to share thoughts on what they experience. It still can be beneficial.
The aspect of the ”one-way thinking and reporting" seemed, at least to me and especially after reading thought quite a few entries, to be falling into the fashion of having a common dominator: of being lead not by openness to the experience or some deeper research, but more opinions made by the chase for “social media” acceptance and popularity contest of sorts, with attempt of getting in “with the cool kids”, celebrating, explaining and justifying certain works based solely on the popularity and social media presence of the creators.. As if this would bring more acceptance for the opinions started. Not anything new of course, but… one always hopes that this approaches would change, and that equal opportunity and representation will prevail… Not saying that some of those “popular” do not deserve full praise and admiration, as some do. This is just sharing a reflection on how the winds seem to blow, and with it unnoticeably falling into the superficialness of/for popularity. It is nice to experience a performance without reading the program notes. Without having a predetermined mind. We should try to, as much as possible, release ourselves from burdens of society and expectations, be open to experience. To experience anew. But, with that said, if one is to then go into articulating and aiming for a critique, it feels important to do a more in-depth research portion of the work as well. It might be a personal feeling, but there is a feeling as if the references and comments, the “critique” intended to be exhibit, missed the opportunity to reflect deeper and offer a more constructive text. Without going into and through step-by-step details of it, i'll just try to explain this on the example of the comment of the absence of using video. A question on which I also often reflect after performances of mixed media, and whether or not it is always necessary to do so, while I was very happy to read about this aspect being brought to questioning, it seemed also somehow misplaced in this specific context as the very absence of video in the "Lichtenberg Figures" did not seem to need mentioning. The work did not employ it, and with a good reason as it was clearly not in the concept of the artist, who has further given quite a few notes on the visual and lightning aspects, and the meaning behind the lichtenberg figures - all described in the description of the work’s program notes. Also interesting is the non-presence of articles for quite a few of the performances, let us call them "interestingly questionable”, that might have been ideal for this kind of questioning and discussion. Yet there was no mention of them… All of this making me wonder whether this isolated, personalised, opinion works exactly as a confirmation of the opposite than what the author had intended - as it marks it as the piece, and experience and performance, that was strong, and coherent enough to provoke and invoke a feeling worthy of a text… But that brings me back to the necessity of making oneself unbiased and able to better see a grander picture, and of letting some time to reflect. With honest effort of not just giving a formal analysis, but rather questioning and allowing others to question their own experience. That seems, at least to me, as a true journalistic approach of unbiased view… Which indeed can be challenging when it comes to art, as it is very personal, but one must nevertheless try. One, aiming to publishing a text, owns this first to oneself, and subsequently to its readers.
Definitively a moment when the "unofficial IMD radio”, as an absolute marble to discover, must be mentioned. As amazing simply in its existence as it is, and deserving of all the praise, still… even there, although it must be difficult to include all and everything, it feels as there were quite a few missed opportunities - to talk really with everyone of the featured performers/creators/composers of the official program of the festival... if I am not mistaken - there is no talks on "Lichtenberg Figures" performance and quite some others? It would have been nice to have those, to here and have a record of any thoughts shared by either performers or creators...
So, as I am not a journalist, nor a music critique, but simply a performer, and a contemporary art and thought lover... or rather even just a human being in love of exploring and discovering the world of silence and sound, I do not want to write a critique, nor a critique of a critique, but I would like to share a few words of different impressions. And in this case on a few of the impressions that strongly stayed embedded in the mind. Beside the obvious praise of all of the Arditti Quartet’s performances, and in this I will not go any further, as even though I do believe these comments would be objective, it would be easily arguable that they are absolutely not objective because of the immense spanless adoration and admiration I feel for the quartet’s work, I will follow with words on some other of the impressionably experienced performances…

Ashley Fure’s “The Force of Things”
Have you ever been inside of a glacier? How about being a Turritopsis dohrnii frozen within an iceberg of a glacier. An iceberg that is further going to melt. That is melting. And when absolutely melted, you, this practically immortal jellyfish, are ready to restart the new cycle of your life… with taking a breath. Well, yes. All of us who have been at the fantastic performance of “The Force of Things” had a chance to experience this, to become this. And through it - haven’t we also been reminded on the melting glaciers, taking this even in the unconscious sense. Which at some moment becomes conscious, and our awareness of the dangers of global warming grows stronger? An artwork that has no aim of provoking something like that. And yet it does. A true artwork, a true playground for senses. For sensing.

Andrew Daniel’s “In the Heights of the Air"
Have you ever stood in the middle of the air? Starting from the ground, and being elevated. Higher and higher. Feeling as if the air is getting thinner. And while rushes of grasps for air are occupying your thought and body, you realise that yo are not flying after all. But rather being elevated by a mountain peak growing under you. Lifting you higher and higher. Making the ground disappear, but all the while keeping you grounded. Until the moment you get your bearings and adjust your breathing and the density of the air, even in this elevated and thinned layer of existence becomes normal. And you simply continue to breath… Continue to be. Yes, we have all been there. All of us who have had a chance to listen to the piece of Andrew Daniel "in the heights of the air" in the cello and piano workshop during the IMD Ferienkurse 2016.

Steven Takasugi's "Sideshow"
Have you ever thought of what do all the manmade creatures of the amusement parks do at night? Do they come to life? Would they, do they, get upset? Of how they are treated. Do they have feeling and thoughts of rebellion and overtaking their “masters”, the human? How loud, or how silently and steely creepy and scary would they get, in their march towards the goal of conquering and overtaking the dominance? Or can that, beside being a scary-movie-filmed-in-sound, be also a warning and a comment on how much the “man made machines” and inventions can overpower us?

Reiter's "Lichtenberg Figures"
Have you ever thought how would it be if you could see the process of thought, the process of thinking? How would it feel? To be inside a brain. To see it in all its glorious action. Experiencing the performance, looking and listening, of the "Lichtenberg Figures" it was as close to this experience - the almost symmetrical, yet just a little off, cascaded stage, aided with light, and light design that just in right moments came to “light up the brain when neurons are in certain kind of process of work”, the cooling down, the calm during the rain, the raging brain and thread of thoughts that follows just after a walk in the rain, and lasts till deep into the night… All coming together in a crashing ending. Ending that is not so. Yes, we all could have felt and experienced this illusion, of being inside of a brain in an overdrive. All offered in a performance that could just as well be a commentary on the dangers of our often hectic rushed lives, no rest, and constant rush to do more and go further. Until we are stopped, by our own self, by our own thought.


And to finish this moment of sharing, I do wonder if there will be a text that will cover the screening of the “Pression”, movie with Helmuth Lachenmann, Lucas Fels and Paul Archbold from today. Because… it felt a little bit, while sitting in the hall filled to the third of its capacity and waiting for the screening to start, as there was a kind of a feeling flying around in the air as if the absence of so many of those who in the passing were mentioning they would come, was caused by this kind of “smoke over substance” attitude. Why mention this in this context, it is because of the sudden shift that happened. There it was - a true excitement in the audience present when to everybody’s surprise Lachenmann entered the space, and changed the atmosphere to just pure magic. To be there, in that moment, and then as if the presence of the master has as hurricane swiped through the halls of the building - to see how suddenly the seats started filling up… One couldn’t help but wonder - why wasn’t the film equally interesting to see even if the master wouldn't have been there?!? He did address the audience, but he also didn’t have to. Wasn’t expected to… But he did, and with hope that most would remember and share his words, transfer them further, rather then that they were there just to shake the hand, take an autograph, a photo… oh and yes, I too took a photo and recorded his speech. I admit to being absolutely start struck by his presence. But it is his words that are echoing through my mind, equally loud as all of his sounds and sciences. And this words in his address firstly to composers, but in reality to us all, to everybody, and nobody in particular - these addressing in a larger sense the dangers of this obsession of “being relevant and political”, neglecting art as art, and art for art… The only true way of creating, and without effort actually becoming relevant and changing the world (just as pieces of Furer, Reiter, Takasugi had managed, again this aid just through a personal experience, not as an aim for making it an absolute truth, but rather an offered opinion). I feel so many who should have not missed this, missed an amazing opportunity to not only hear wise words, but hear a little constructive critique, critique done in a right way, of the generation’s attempts to be more that it is necessary, loosing in the process itself and the potential of actually being and achieving what they/we are capable and want to. I mention this, as it strongly resonates within me what he was telling, not only because it was said by him “in vivo”, but as well during the film - all the history that should not be neglected, and how we are easy to disregard the fact that there are no jumps and gaps but rather transitions, and personal interpretation of similar topics… That lead us and become something different through interpretation, constructed, thought out, not rushed interpretation. That transitions through personal, and becomes individual. I have a feeling that this is something that everybody should have heard, all the participants, all the people. As it, of course I don’t describe it as well as his original words, but this I think was exactly the comment of where and how do coming generations shape, or rather misshape and misdirect, their thinking and aims and an honest, loving advice, on how to find a right, a better path.
Dejana Sekulic


Comment by Harry Eiler (12.08.2016):

In my exposure to new music and then reading the critical reviews of performances thereof, it seems blatantly apparent that we need to categorize these provocative events as a new genre! In a recent harsh review of Eva Reiter's significantly truly delightful entertainment, the reviewer applied all the paradigms associated with a performance of a Beethoven symphony! There are some different events in or with music that prepare the audience for what is to be expected. Certainly there are entirely different expectations with alternative touchstones by which they are assayed when one is going to a philharmonic orchestra, an opera by Verdi, or a Barnum & Bailey Circus! The performances of Ms. Reiter's "Lichtenberg Figures" and Steven Takasugi's innovative "Sideshow" during the 48th Summer Courses at IMD certainly are of a new genre that reflects our modern technical world in way that all prior genres do not! There is much of all established genres evoked in this new art form but it should not be judged relativity to how it conforms to the old but rather how it conveys all that is newly happening in a new genre of entertainment with sound, lights, vocals, effects, and the entire panoply of technology available ... with ample reference of everything that has gone on before. In the programs such events are listed as 'concerts' which on its face is as misleading as the to describe "Der Ring.." as such! Yes, all can loosely be circumscribed as music but to rank the new experiences with a concert hall orchestral event is just as incongruous as putting a Shakespeare comedy under the same umbrella as a Seinfeld episode! A new word to describe a new genre is needed so that the audience and critics can evaluate and predict their attendance with as much assurance that one has knowing what a performance of "Tristan and Isolde" will entail and what are the paradigms to measure its successes and failures. Despite the critical bashing of such new music, I find them to be engrossing, thoroughly delightfully unusual and creative entertainments ... if not entirely akin to Beethoven's Ninth! My two cents!
Harry Eiler

Von Jim Igor Kallenberg