18.11.2014

Trauer um Armin Köhler

Wie der SWR mitteilte, ist Armin Köhler, künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage und Redaktionsleiter für Neue Musik und Jazz bei SWR2, am 15. November 2014 gestorben. Thomas Schäfer, Direktor des Internationalen Musikinstituts Darmstadt, hat der Betroffenheit und Trauer des gesamten IMD-Teams in einem persönlichen Nachruf Ausdruck verliehen.

 

"Als Armin Köhler kurz vor Beginn der diesjährigen Darmstädter Ferienkurse seinen geplanten Besuch kurzfristig absagen musste, hatte ich schon eine böse Vorahnung. Ich schrieb ihm, ich würde ihm dann später berichten, worauf er sich bedankte und meinte, wir würden uns ja dann spätestens im Oktober in Donaueschingen sehen. Dann wäre er wieder fit. Er sollte leider nicht recht behalten in seinem Optimismus. Sein eigenes – letztes – Festival konnte er nicht mehr vor Ort hören und sehen, konnte nicht mehr erleben, was er imaginiert hatte.


Keine sechs Wochen später ist Armin Köhler in der Nacht des 15. November 2014 gestorben, wie der Südwestrundfunk mitteilte.


Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass wir – und damit schließe ich viele Komponisten, Interpreten, Ensembles, Veranstalter, Rundfunkleute ein – im Wortsinne einen echten Kollegen (viel zu früh) verloren haben. Und das meine ich sowohl menschlich wie fachlich. Wir beide waren in ästhetischen Fragen vielleicht nicht immer einer Meinung, nie aber hat er mich dies in einer unangenehmen Weise spüren lassen. Er war immer an der Sache interessiert, sie trieb ihn um. Ich erlebte das bereits zu meinen Zeiten von Wien Modern, als er unser Festival immer wieder besuchte, wir auch einige Kooperationen zwischen Wien und Donaueschingen verabredeten. Noch stärker erlebte ich seine nicht enden wollende Leidenschaft für die Musik unserer Zeit aber erst auf, als ich nach Darmstadt ging und Armin Köhler 2010 fast die gesamten zwei Kurswochen bei uns war, alle Konzerte, diverse Lectures und andere Veranstaltungen besuchte, wir uns immer wieder begegneten, kurz austauschten, immer auch ein wenig Distanz wahrend – bis zuletzt waren wir per „Sie“, auch wenn wir uns mehr als zwei Jahrzehnte kannten.


Auch 2012 war er wieder fast die gesamte Zeit im Sommer in Darmstadt, musste nur kurz nach Baden-Baden, um die eine oder andere Sendung fertigzumachen. Bei aller vordergründigen Wahrnehmung der Donaueschinger Musiktage darf man ja nicht vergessen, wie ungemein wichtig auch der Radiomann Armin Köhler für uns alle war. Unermüdlich und ohne große Rast speisten sich seine Sendungen aus den vielen Reisen und Eindrücken, die er gewann. Seine 120teilige Sendereihe „Vom Innen und Außen der Klänge. Hörgeschichte der Musik des 20. Jahrhunderts“ sowie die Interviewreihe „Erlebte Geschichte“ waren in ihrem enzyklopädischen Zugriff bahnbrechend.


Nach unserem Ferienkurs-Projekt 2012 mit dem Splitter Orchester über Mathias Spahlingers Komposition „doppelt bejaht“, 2009 in Donaueschingen uraufgeführt, hatten wir einen längeren Austausch über Spahlingers Konzeption. Armin Köhler beurteilte unsere Neubegegnung mit „doppelt bejaht“ eher kritisch. Ich versuchte, ihm die ästhetischen Prämissen des Vorhabens näherzubringen. Am Ende sagte er: „Ok, machen wir doch eine lange Sendung mit einem ,Streitgespräch‘ vor dem Mikrophon daraus. Kommen Sie doch mal nach Baden-Baden…“

 

Armin Köhlers erster Besuch der Darmstädter Ferienkurse reicht in das Jahr 1990 zurück, zwei Jahre bevor er die Leitung der Donaueschinger Musiktage und der SWR2-Redaktion „Neue Musik und Jazz“ übernahm. Gemeinsam mit Gisela Nauck moderierte er am 19. Juli 1990 eine Gesprächsrunde mit dem Titel „Neue Positionen? Komponieren in der DDR“, Gäste waren u. a. Jörg Herchet, Juro Mětšk, Annette Schlünz, Johannes Wulf-Woesten und Helmut Zapf. Seit knapp einem Vierteljahrhundert also hat Armin Köhler die Ferienkurse wie so viele andere Festivals besucht, und doch war dieses Darmstädter Labor ein ganz spezielles, wichtiges für ihn, wie er mir in einem unserer letzten Gespräche sagte. Eine Inspiration für seine eigene Arbeit. Dieses gänzlich Unprätentiöse, immer auf den Fortgang „unserer“ Kunst fokussierte, hat mich bei ihm immer schon beeindruckt.


Er wird diesem Diskurs sehr fehlen, da bin ich mir – wie viele andere auch, die ihn besser kannten als ich – sicher. Seine Stimme und sein energisches Handeln werden wir vermissen. Auch dies eine untrügliche Gewissheit, die über die heutige Trauer hinausreicht."
Thomas Schäfer

Armin Köhler (Mitte) bei den Darmstädter Ferienkursen 2000 mit dem damaligen HR-Redakteur für Neue Musik Bernd Leukert (rechts) und dem Cellisten Lucas Fels

 

Zum Hören:

The serial camp. Pfadfinderlager oder Feudalstaat? Die «komponistische Internationale» oder die Darmstädter Ferienkurse (Eine Sendung von Armin Köhler im Rahmen der Sendereihe „Erlebte Geschichte“)                                 

Erlebte Geschichte

18.11.2014

Trauer um Armin Köhler

Wie der SWR mitteilte, ist Armin Köhler, künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage und Redaktionsleiter für Neue Musik und Jazz bei SWR2, am 15. November 2014 gestorben. Thomas Schäfer, Direktor des Internationalen Musikinstituts Darmstadt, hat der Betroffenheit und Trauer des gesamten IMD-Teams in einem persönlichen Nachruf Ausdruck verliehen.

 

"Als Armin Köhler kurz vor Beginn der diesjährigen Darmstädter Ferienkurse seinen geplanten Besuch kurzfristig absagen musste, hatte ich schon eine böse Vorahnung. Ich schrieb ihm, ich würde ihm dann später berichten, worauf er sich bedankte und meinte, wir würden uns ja dann spätestens im Oktober in Donaueschingen sehen. Dann wäre er wieder fit. Er sollte leider nicht recht behalten in seinem Optimismus. Sein eigenes – letztes – Festival konnte er nicht mehr vor Ort hören und sehen, konnte nicht mehr erleben, was er imaginiert hatte.