eventgrafik-2016


Freitag, 5. August 2016 | 20:00 | Böllenfalltorhalle

Clarinet Extended

Michael Pelzel: Gravity’s Rainbow (2015)
Jorge Sánchez-Chiong & TE-R: ZYT. Game for Clex Contrabass Clarinet, Electric Guitar, Turntables, amplified Orchestra & Projection (2016)
Sergej Newski: Rules of Love für Sopran, tiefen Alt und fünf Instrumentalisten (2012/13)


Ernesto Molinari (Klarinetten)
Jorge Sánchez-Chiong (Turntables)

Martin Siewert (E-Gitarre)

Truike van der Poel (Stimme)

Emerald Lesley (Stimme)

Krassimir Sterev (Akkordeon)

Ensemble Interface

Basel Sinfonietta
Duncan Ward (Musikalische Leitung)
TE-R (Louise Linsenbolz & Thomas Wagensommerer) (Video)

Uli Kühn (Licht)


Die Kontrabassklarinette, um 1900 als Orchesterinstrument entwickelt, hat in der Neuen Musik eine steile solistische Karriere gemacht: Das liegt vor allem an ihrem riesigen Tonumfang von bis zu fünf Oktaven und ihren interessanten Möglichkeiten zur Erzeugung von hohen Überblastönen. Trotz zahlreicher Verbesserungen erlauben heutige Kontrabassklarinetten jedoch noch immer nur bestmögliche Kompromisse. Seit 2012 hat ein Berner Forscherteam aus Hochschule der Künste Bern (HKB) und Berner Fachhochschule/Departement Technik und Informatik (TI) auf Initiative des Klarinettisten Ernesto Molinari eine völlig neue Kontrabassklarinette entwickelt: Alte Handwerkskunst der Instrumentenbauer Jochen Seggelke und Martin Suter (Clarinet Solutions) und Hightech wurden kombiniert. Das Projekt wurde von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) der Schweiz unterstützt. Am Anfang stand das akustisch ideal geformte und weich gebogene 2,70 m lange Rohr. Auch die Grifflöcher des Instruments wurden an den akustisch idealen Stellen gesetzt. Bei den bisherigen Kontrabassklarinetten befinden sich die Löcher dort, wo sie mit dem komplizierten mechanischen Klappensystem überhaupt erreichbar sind. Möglich wurde diese ideale Platzierung der Tonlöcher durch eine spektakuläre neue Idee der Klappen-Steuerung mittels Motoren. Bei der neuen Kontrabassklarinette werden die Klappen über eine mechatronische Steuerung betätigt: Sensoren ermitteln an den Drückern die Position des jeweiligen Fingers, worauf Klappenaktuatoren (Elektromagnete) die entsprechend programmierten Klappen öffnen oder schliessen. Diese Steuerung erlaubt auch das Ansteuern von e-music-Geräten und damit zahlreiche neue multimediale Anwendungen. Statt der Erweiterung des Instrumentalspiels mittels Klangverfremdungen und Spezialeffekten wurde hier ein völlig neues Instrument gebaut, dessen „System“ von Interpreten und Komponisten reprogrammiert und neu konstruiert werden kann: Clarinet extended, kurz: CLEX.


Bei den Darmstädter Ferienkursen präsentiert Ernesto Molinari nun gemeinsam mit der Basel Sinfonietta den ersten Prototypen dieser erweiterten Kontrabassklarinette. In den beiden Solokonzerten von Michael Pelzel und Jorge Sánchez-Chiong zeigt sich das Instrument in ganz unterschiedlichen Facetten.

 

Mit freundlicher Unterstützung durch Fondation Suisa und Pro Helvetia