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02.08.2021 WAVES
Musik von Alvin Lucier mit Dafne Vicente-Sandoval, Christina-Maria Moser und Trevor Saint

RICOCHET LADY

Während der Aufführung wird der gesamte Tonumfang eines Glockenspiels in aufsteigenden chromatischen 3- und 4-Ton-Patterns abgetastet. Dabei prallen dessen Klänge an den Oberflächen des Raums ab und bewegen sich darin so, dass sie durch die sich ständig verändernden Wellenlängen der Tonhöhen bestimmt werden. (Je höher die Tonhöhe, desto kürzer die Wellenlänge.)

Ricochet Lady wurde eigens für Trevor Saint geschrieben, der es am 19. September 2016 in der Fridman Gallery in New York City im Rahmen einer Konzertreihe zum 50-jährigen Bestehen von E.A.T. and 9 Evenings: Theatre and Engineering uraufführte.

Alvin Lucier (Übersetzung: Gerardo Scheige)

SAME AND DIFFERENT

Während der Aufführung strömt ein elektronisch erzeugter Sinuston aus einem einzigen Lautsprecher, der hinter und über den Köpfen des Publikums positioniert ist. Ein*e Fagottist*in, die*der auf einem Podest vor dem Publikum steht, spielt eine Reihe von 126 langen Tönen, die aus nahezu unisono auftretenden Variationen des Sinustons bestehen, welche durch unterschiedliche Griffe erzeugt werden. Kleine Tonhöhenschwankungen verursachen ein hörbares Klopfen. Je weiter der Abstand zwischen den Tonhöhen ist, desto schneller ist das Schlagen; im Unisono entstehen keine Schläge. Darüber hinaus kann man hören, wie die Schlag-Patterns im Raum über den Köpfen der Zuhörer*innen kreisen.

Same and Different wurde eigens für die Fagottistin Dafne Vicente-Sandoval geschrieben, die den Komponisten dabei unterstützte.

Alvin Lucier (Übersetzung: Gerardo Scheige)

DAFNE VICENTE-SANDOVAL ON SAME AND DIFFERENT

I will perform at the festival a new piece by Alvin Lucier for bassoon with pure wave oscillator. The piece is called Same and Different and is based on the countless fingerings that exist in the bassoon around a single fundamental – in this case A4. These fingerings present an array of differing intonations, inflections, partial balances and dynamics, reshaping with each of them the tonal qualities of the equal-tempered A4 in an extremely detailed way. In Lucier’s piece, the often subtle variations between these tonal shades are magnified by the interaction with a sinewave tuned at 442Hz, which results in different rates of beating and timbral shapes.

The material of the piece echoes my own instrumental approach which is an attempt to re-think in critical ways the epistemology of the bassoon as framed by Western Classical tradition. In conventional modern bassoon technique we learn one fingering for A4 when Lucier’s piece uses for example 132 different fingerings for that fundamental.  Circling through these innumerable tonal shades allows us to enter into a radically different perception of the seeming oneness of fundamental sounds. Our ears are pulled toward the complexity of their composite structures. The layered background of a sound – partial balances within a tone, for example – is then foregrounded. Sound is no more approached through the unifying lens of pitch.

TILTED ARC

Während 17 Minuten und 30 Sekunden wandern 12 Instrumentalist*innen in einem Unisono-Kanon in 30-Sekunden-Intervallen eine Oktave auf und ab. Das Glockenspiel begegnet den Instrumentalist*innen mit langen gestrichenen Tönen, die sich zu ihnen hin, quer und weg bewegen. Dabei entsteht ein hörbares Schlagen, das durch die Abstände zwischen den Instrumentaltönen bestimmt wird. Je weiter der Abstand, desto schneller das Schlagen; im Unisono entstehen keine Schläge. Eine alternative Fassung des Stücks für gestrichenes Glockenspiel solo und 12 langsam schwingende Oszillatoren wurde für Trevor Saint geschrieben.

Tilted Arc wurde eigens für das Ever Present Orchestra (Bernhard Rietbrock, Musikalische Leitung; Trevor Saint, Solist Glockenspiel) geschrieben und am 27. März 2018 im Connecting Space in Hongkong uraufgeführt. Die Solofassung von Tilted Arc wurde von Trevor Saint am 20. Juli 2018 im Issue Project Room in Brooklyn, New York City, im Rahmen einer Veranstaltung zur Feier der Sonic Arts Union uraufgeführt. Der Titel des Stücks ist Richard Serras Skulptur entnommen, die von 1981 bis 1989 auf dem Foley Federal Plaza in Manhattan stand.

Alvin Lucier (Übersetzung: Gerardo Scheige)

ME AND YOU

Während der Aufführung gleitet ein*e Geiger*in kontinuierlich zwischen g7 und e5 alle 30 Sekunden pro Halbton abwärts. Dabei stößt das Glockenspiel mit langen Tönen gegen die absteigende Welle und verursacht hörbare Schläge, die durch die Abstände zwischen den gleitenden und den gehaltenen Tönen bestimmt werden. Je weiter die Töne auseinanderliegen, desto schneller sind die Schläge; im Unisono entstehen keine Schläge. 

Me And You wurde eigens für Christina-Maria Moser und Trevor Saint geschrieben.

Alvin Lucier (Übersetzung: Gerardo Scheige)

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